Systemintegration: wie KI-Systeme an vorhandene Software andocken
Verbundene Anwendungen entstehen nicht durch ein weiteres Werkzeug, sondern durch geklärte Führung: Wer besitzt welchen Datensatz, wer darf ihn lesen, was gilt bei einer Störung.
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Systemintegration bezeichnet die geregelte Verbindung getrennter Anwendungen zu einem Ablauf, in dem Daten einmal entstehen und überall gelten. Für KI-Vorhaben ist sie die Vorbedingung: Ein Modell, das nicht an Auftragsdaten, Belege und Verläufe herankommt, beantwortet Fragen aus dem Nichts und wird im Betrieb nicht ernst genommen.
Systemintegration: Begriff und Abgrenzung
Gemeint ist kein einzelnes Werkzeug, sondern ein Zustand: Zwei oder mehr Anwendungen tauschen Daten nach festen Regeln aus, ohne dass jemand exportiert, umformatiert und wieder einliest. Eine getrennte Landschaft erkennt man an drei Symptomen — dieselbe Angabe wird zweimal erfasst, zwei Auswertungen widersprechen sich, und niemand kann sagen, welcher Stand gilt.
Zu unterscheiden ist die Anbindung von der Ablösung. Wer ein Altsystem ersetzt, führt eine Übernahme der Bestände durch und schaltet danach ab. Wer es anbindet, lässt es stehen und regelt nur den Austausch. In KI-Vorhaben ist der zweite Weg der Normalfall: Das Modell ist neu, die Landschaft darum herum bleibt, wie sie ist.
Woher ein KI-System seine Daten bezieht
Ein Modell ist selten Eigentümer der Daten, mit denen es arbeitet. Vor der ersten Zeile Code gehört deshalb festgelegt, welche Anwendung für welchen Datensatz führend ist: Kundenstamm in der Kundenverwaltung, Artikel in der Warenwirtschaft, Verträge in der Dokumentenablage. Die führende Seite schreibt, alle anderen lesen — sonst entstehen zwei Wahrheiten, und die Antwort hängt davon ab, welche das Modell zuerst gefunden hat.
Daneben steht die Frage der Aktualität. Ein Index, aus dem ein Sprachmodell Textstellen zieht, ist immer eine Kopie mit einem Stand. Wie oft er nachgeführt wird, was mit gelöschten Quellen geschieht und ob ein Treffer auf ein Dokument zeigen darf, das der Fragende selbst nicht öffnen dürfte, sind fachliche Entscheidungen und keine technischen. Wie ein solcher Index aufgebaut ist, beschreibt der Artikel Retrieval Augmented Generation. Der Abruf aus Fremdsystemen läuft im Regelfall über eine API-Schnittstelle mit festem Format und geregelten Fehlerantworten.
Synchron, asynchron und ereignisgesteuert
Drei Kopplungsarten stehen zur Wahl, und die Wahl entscheidet über das Verhalten unter Last.
- Synchron. Der Aufruf wartet auf die Antwort. Richtig, wenn ein Mensch vor dem Bildschirm sitzt und sofort ein Ergebnis braucht — und heikel, weil die langsamste beteiligte Seite das Tempo aller vorgibt.
- Asynchron über eine Warteschlange. Der Auftrag wird angenommen, quittiert und später verarbeitet. Richtig für Massenläufe, für Modellaufrufe mit langer Laufzeit und für Zielsysteme mit Wartungsfenstern.
- Ereignisgesteuert. Die Quelle meldet die Änderung selbst, statt abgefragt zu werden. Richtig, wenn Änderungen selten, aber dringend sind.
Für alle drei gilt dieselbe Pflicht: Eine Nachricht darf zweimal ankommen, ohne Schaden anzurichten. Wiederholte Zustellung ist der Normalfall und kein Störfall. Jeder Vorgang braucht dafür eine stabile Kennung, an der die Gegenseite erkennt, dass sie ihn bereits verarbeitet hat.
Lesekonten, Rechte und Protokoll
KI-Systeme lesen breit, und genau deshalb sind Rechte die Kernfrage jeder Anbindung. Ein eigenes Lesekonto je Verbindung, beschränkt auf die benötigten Felder, ist der Mindeststandard; ein geteiltes Verwaltungskonto ist keiner. Wo personenbezogene Angaben im Spiel sind, gehören Zweck, Speicherdauer und Löschweg vor den Bau geklärt — der Artikel DSGVO und KI ordnet die Pflichten ein.
Dazu kommt das Protokoll. Bei klassischen Verbindungen genügt, welcher Datensatz wann übertragen wurde. Steht ein Modell im Ablauf, gehört mehr festgehalten: die Eingabe, die Version des Modells, die Quellen, auf die sich die Antwort gestützt hat, und die Person, die sie freigegeben hat. Ohne dieses Protokoll lässt sich eine Entscheidung im Nachhinein nicht erklären — und erklärbar muss sie sein, sobald jemand widerspricht.
Systemintegration mit Ausfallverhalten
Jede Verbindung fällt irgendwann aus, und ein Modell fällt anders aus als eine Datenbank: Es antwortet langsamer als sonst, es antwortet falsch, oder der Anbieter begrenzt die Zahl der Abrufe. Ein Entwurf, der nur den Erfolgsfall kennt, fällt im ersten schlechten Monat auf.
Brauchbar sind vier Vorkehrungen: eine Zeitschranke je Aufruf, damit ein hängender Abruf nicht den ganzen Ablauf blockiert; ein zweiter Versuch mit wachsendem Abstand; ein festgelegter Ersatzweg für den Fall, dass keine Antwort kommt — Weiterleitung an einen Menschen, eine ältere Regel, ein leeres Ergebnis mit Hinweis; und eine Meldung an eine zuständige Person, wenn die Störung anhält. Was davon gilt, gehört in die Abnahmekriterien und nicht in eine mündliche Zusage.
Wie wir KI an bestehende Software anbinden
Vor dem Bau steht bei uns eine Landkarte: welche Anwendung welchen Datensatz besitzt, welcher Weg dazwischen liegt, welches Recht dafür nötig ist. Danach entsteht je Datenfluss eine kurze Beschreibung mit Richtung, Auslöser, Feldern und Verhalten im Fehlerfall, und jeder Fluss geht einzeln in Betrieb — mit Protokoll und mit einer benannten Person, die eine Störmeldung erhält. Unsere eigene Arbeitsumgebung hängt an 169 angebundenen Systemen mit 67 fertigen Konnektoren; sie ist nach genau diesen Regeln entstanden. Was zu einem solchen Vorhaben sonst gehört, steht auf der Seite KI-Implementierung.
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Zwanzig Minuten genügen für den Anfang: Sie beschreiben den Engpass, wir sagen, ob und wie wir ihn übernehmen – und wenn nicht, auch das.