Festpreis oder Tagessatz im KI-Projekt

Festpreis oder Aufwand: Ein Modell lässt sich schwer pauschal kalkulieren, ein offener Aufwand schwer verantworten. Wie sich beide Formen im selben Vorhaben verbinden lassen.

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Ein Festpreis vergütet ein beschriebenes Ergebnis, ein Tagessatz die aufgewendete Zeit. In KI-Projekten fällt die Wahl schwerer als in klassischen Softwarevorhaben, weil vor dem ersten Versuch niemand sicher weiß, wie gut ein Modell die Aufgabe löst und wie viele Durchläufe bis zur vereinbarten Güte nötig sind.

Festpreis: wann er trägt

Die pauschale Form setzt voraus, dass der Liefergegenstand vor dem Start beschreibbar ist. Dann verschiebt sie das Mengenrisiko zum Auftragnehmer: Braucht die Umsetzung mehr Aufwand als gedacht, bleibt der Preis. Der Auftraggeber gewinnt Planbarkeit, und die Abnahme hat einen klaren Maßstab.

Gut geeignet sind Vorhaben mit bekanntem Ziel und bekannter Umgebung: eine Anbindung an ein vorhandenes System, die Übernahme eines Datenbestands, ein Verarbeitungsschritt mit definiertem Ein- und Ausgang. Voraussetzung ist, dass der Auftragnehmer Zugang zu den echten Daten hatte, bevor er kalkuliert. Wer ohne Blick in die Belege einen Preis nennt, kalkuliert einen Aufschlag für das Unbekannte – und der zahlt sich für keine der beiden Seiten aus.

Tagessatz: wann er passt

Die Abrechnung nach Zeit passt, wenn das Ziel offen ist oder sich unterwegs verschiebt: Untersuchung, Architektur, Begleitung im Betrieb, Pflege einer Wissensbasis. Das Mengenrisiko liegt beim Auftraggeber, dafür bleibt er beweglich und kann nach jedem Abschnitt neu entscheiden.

Der Preis dieser Beweglichkeit ist ein Kontrollbedarf. Ohne vereinbarte Abschnitte mit eigenem Ergebnis wird aus der Abrechnung nach Zeit ein Fass ohne Boden, das niemand zu schließen wagt. Deshalb gehört auch in ein Angebot nach Aufwand, welche Frage der Abschnitt beantwortet, welches Dokument am Ende vorliegt und wann er als beendet gilt. Die vertragliche Seite dazu beschreibt der Artikel Dienstvertrag mit geschuldeter Tätigkeit.

Warum KI-Projekte den Festpreis schwer machen

In einem klassischen Vorhaben steckt die Unsicherheit im Umfang: Wie viele Masken, wie viele Schnittstellen, wie viele Sonderfälle. In einem KI-Vorhaben steckt sie zusätzlich in der Güte des Ergebnisses. Ob ein Modell die Belege eines bestimmten Lieferanten sauber liest, zeigt sich erst am echten Material – und wie viele Runden aus Prompt, Wissensbasis und Prüflogik nötig sind, bis eine vereinbarte Schwelle stabil gehalten wird, ist vorher eine Schätzung.

Drei Faktoren treiben diese Unsicherheit besonders:

  • Datenlage: saubere digitale Belege oder Fotos aus der Werkstatt. In einem eigenen Projekt ergaben Belegfotos 3 579 Positionen und ein Verzeichnis von 24 Lieferanten – der Aufwand steckte in der Aufbereitung, nicht im Modell.
  • Uneinheitliche Stammdaten: 138 Schreibweisen ließen sich in einem weiteren Vorhaben auf 75 Lieferanten zusammenführen, wodurch 1 922 Positionen überhaupt erst auswertbar wurden.
  • Zahl der Schnittstellen: Nicht das Modell kostet Zeit, sondern die Anbindung an das, was schon läuft.

Wer diese Faktoren nicht kennt, kann keinen belastbaren Preis für das Ganze nennen. Er kann ihn nur raten.

Der geteilte Weg: Vorstudie und Umsetzung

Die Lösung, die sich in der Praxis durchgesetzt hat, teilt das Vorhaben an der Stelle, an der die Unsicherheit endet. Zuerst läuft ein kurzer Abschnitt nach Aufwand: echte Fälle sammeln, Modell daran erproben, Testmenge und Messgröße festlegen, Datenschutzfragen klären. Ergebnis ist ein schriftlicher Befund – nicht Software, sondern Wissen.

Erst danach wird die Umsetzung als Festpreis beschrieben und bepreist, weil jetzt bekannt ist, was das Modell kann und wo die Arbeit steckt. Beide Seiten tragen so den Teil des Risikos, den sie beeinflussen können: der Auftraggeber die offene Frage am Anfang, der Auftragnehmer die Umsetzung nach bekannten Regeln. Welche Kriterien am Ende geprüft werden, behandelt der Artikel Werkvertrag: Definition und Abnahme.

Was im Angebot stehen muss

  • Liefergegenstand: was am Ende vorhanden ist, in Sätzen, die auch ein Fachbereich versteht.
  • Messgröße und Schwelle: woran gemessen wird und ab wann das Ergebnis als vertragsgemäß gilt.
  • Testmenge: welche Fälle den Maßstab bilden und wer sie ausgewählt hat.
  • Abgrenzung: was ausdrücklich nicht enthalten ist – weitere Systeme, weitere Belegarten, weitere Sprachen.
  • Änderungsweg: wie neue Anforderungen behandelt werden, ohne dass der vereinbarte Umfang stillschweigend wächst.
  • Rechte und Zugänge: wem Code, Prompts, Testmengen und Auswertungen gehören.

Der Zeitrahmen steht ebenfalls im Angebot, gebunden an diese Punkte und nicht an einen Wunschtermin.

Wie wir kalkulieren

Wir nennen einen Preis für das Ganze erst, wenn wir echte Fälle gesehen haben; vorher gibt es eine Untersuchung nach Aufwand mit klar benanntem Ergebnis. Die Testmenge, an der später gemessen wird, entsteht in diesem ersten Abschnitt und gehört dem Auftraggeber. Was Tempo bringt, sagen wir offen: Bei umfangreicher, gleichförmiger Arbeit – etwa 8 677 übersetzte und eingebaute Oberflächentexte in rund einer Stunde Arbeitszeit – setzen KI-gestützte Werkzeuge unser Tempo deutlich nach oben; bei Architektur- und Schnittstellenfragen entscheidet die Erfahrung des Entwicklers, und die lässt sich nicht beschleunigen. In unseren Angeboten steht deshalb der Messpunkt vor dem Preis: Solange beide Seiten nicht dieselbe Größe als Maßstab akzeptieren, ist ein fester Preis nur eine gut aussehende Schätzung. Was danach im Einzelnen gebaut wird, beschreibt die Leistung KI-Implementierung für den Mittelstand.

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