Leistungsbeschreibung für ein KI-Vorhaben: Aufgabe, Daten, Schwelle
Beschrieben wird nicht das Modell, sondern die Aufgabe: welche Vorgänge bearbeitet werden, woran ein richtiges Ergebnis erkennbar ist und was das System tut, wenn es unsicher bleibt.
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Eine Leistungsbeschreibung für ein KI-Vorhaben benennt nicht das Modell, sondern die Aufgabe: welche Vorgänge bearbeitet werden, woran ein richtiges Ergebnis erkennbar ist und was geschieht, wenn das System unsicher bleibt. Ohne diese drei Angaben lässt sich weder ein Preis bilden noch eine Übergabe prüfen.
Warum die Leistungsbeschreibung hier anders aussieht
In klassischen Softwarevorhaben wird Verhalten festgeschrieben: Auf eine Eingabe folgt eine bestimmte Ausgabe. Ein statistisches System verhält sich nicht so. Dieselbe Eingabe kann unterschiedlich beantwortet werden, und ob eine Antwort brauchbar ist, beurteilt häufig ein Fachmitarbeiter. Festgeschrieben wird deshalb nicht der Einzelfall, sondern das Verhalten über eine Menge von Fällen.
Daraus folgt eine andere Gliederung. An die Stelle der Funktionsliste treten fünf Blöcke: Aufgabe, Datengrundlage, Messung, Grenzfälle, Protokoll. An der Vertragsform ändert das nichts — welche Pflichten sie mit sich bringt, beschreibt der Artikel Werkvertrag.
Die Aufgabe des Modells beschreiben
Die Aufgabe wird an Vorgängen festgemacht, nicht an Fähigkeiten. Brauchbar ist: „Eingehende Lieferantenrechnungen werden einer Bestellung zugeordnet und mit Konto und Kostenstelle versehen.“ Unbrauchbar ist: „Das System versteht Rechnungen.“ Dazu gehören die Grenzen — welche Belegarten, welche Sprachen, welche Mandanten, und was ausdrücklich nicht dazugehört.
Ebenso gehört hinein, an welcher Stelle im Ablauf das Ergebnis landet: als Vorschlag zur Freigabe, als fertige Buchung oder als Eintrag in einer Prüfliste. Diese Festlegung bestimmt den Zuschnitt weit stärker als die Wahl des Modells, denn sie entscheidet darüber, wie viel Prüfung ein Mensch noch leisten muss. Fehlt sie, entsteht der klassische Streit nach der Lieferung: Der Fachbereich hatte eine fertige Buchung erwartet, geliefert wurde ein Vorschlag zur Freigabe. Zur Aufgabe gehört außerdem, welche Sprache das Ergebnis hat und in welcher Form es weitergereicht wird.
Datengrundlage, Messgröße und Schwelle
Drei Angaben machen aus der Aufgabe etwas Prüfbares:
- Herkunft der Daten. Aus welchen Systemen sie stammen, wer sie bereitstellt, in welchem Zustand sie sind und wer für ihre Bereinigung zuständig ist.
- Zurückgehaltener Teil. Ein Anteil der Vorgänge wird vor dem Start beiseitegelegt und bei der Entwicklung nicht verwendet. Nur an ihm wird später gemessen, sonst prüft man das System an dem, was es bereits kennt.
- Messgröße und Schwelle. Was gezählt wird und ab welchem Wert die Aufgabe als erfüllt gilt, getrennt nach Fallgruppen, wenn diese unterschiedlich schwer sind.
Dieselben Größen entscheiden später darüber, ob eine Abweichung vorliegt; welche Rechte sich daran knüpfen, behandelt der Artikel Mängelhaftung.
Grenzfälle, Unsicherheit und Protokoll
Der Teil, der in Angeboten am häufigsten fehlt, ist für den Betrieb der wichtigste: das Verhalten außerhalb des Normalfalls.
- Regeln für Grenzfälle. Mehrere passende Treffer, widersprüchliche Angaben, unleserliche Vorlagen, Fälle mit rechtlicher Wirkung — für jede Gruppe eine Regel statt eines Gefühls.
- Verhalten bei Unsicherheit. Was das System tut, wenn es keine belastbare Antwort hat: den Vorgang an eine benannte Rolle übergeben, eine Rückfrage stellen, den Fall kennzeichnen und liegen lassen. Ein System ohne diesen Ausgang erzwingt Antworten und erzeugt damit Fehler.
- Protokollierung. Welche Eingabe, welches Ergebnis, welcher Stand und welche Entscheidungsgrundlage festgehalten werden — die Voraussetzung dafür, dass sich eine Abweichung überhaupt nachvollziehen lässt.
- Datenschutz. Welche Daten an welche Verarbeiter gehen und was in Protokollen gespeichert wird, gehört in dieselbe Anlage wie die fachlichen Regeln.
Die Leistungsbeschreibung als Anlage zum Angebot
Damit die Beschreibung im Vertrag wirkt, braucht sie eine benannte Fassung, einen Rang gegenüber den anderen Anlagen und eine Regel dafür, wie eine Änderung wirksam wird. Änderungen sind in KI-Vorhaben häufig, weil erst die Arbeit an echten Daten zeigt, welche Fallgruppen es tatsächlich gibt; genau deshalb muss der Weg für eine Änderung vorher feststehen. Der Übergang in den laufenden Betrieb — Beobachtung, Nachschärfen, neue Fallgruppen — wird getrennt geregelt, dafür passt in der Regel ein Dienstvertrag.
Wie wir die Beschreibung erarbeiten
Wir beginnen mit einer Sichtung echter Vorgänge aus dem Betrieb und schreiben daraus die Fallgruppen auf, bevor über Technik gesprochen wird. Messgröße, Schwelle, Regeln für Grenzfälle und das Verhalten bei Unsicherheit stehen im Angebot, ehe die Umsetzung beginnt; der zurückgehaltene Teil der Daten wird gemeinsam festgelegt und eingefroren. Fachliche Weisungen an unsere Entwickler laufen über unsere Projektleitung, Auswertungen und Zugänge gehören dem Auftraggeber. Danach bleibt die Beschreibung ein lebendes Dokument: Jeder Grenzfall, der im Betrieb auftaucht, wird dort nachgetragen, sonst weicht das Gemessene still von dem ab, was vereinbart war. Welche Arbeiten daran hängen, zeigt die Seite KI-Implementierung.
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Zwanzig Minuten genügen für den Anfang: Sie beschreiben den Engpass, wir sagen, ob und wie wir ihn übernehmen – und wenn nicht, auch das.